Ugandas Popstar-Demokrat

Bobi Wine: Dembe (2016)

„We should build useful foundations for Uganda as an example to our children
So they know it no longer requires bloodshed for one to ascend to power
So they know that candidates campaign and the masses pick one
And the winner leads them, the loose congratulates the winner“

Bobi Wine: Dembe

Am 15. August 2018 ist Yoweri Museveni, der Präsident Ugandas, in der Stadt Arua unterwegs, um die Kampagne seines Kandidaten zu unterstützen. Der Abgeordnete Ibrahim Abiriga war ermordet worden, nun finden Nachwahlen statt. Mit Abiriga hat der Präsident, der Uganda seit 1986 regiert, einen loyalen Unterstützer verloren. Museveni bestreitet gerade seine siebte Amtszeit in Folge. Er will die Altersgrenze für Präsidentschaftskandidaten, die einer achten im Weg stehen würde, streichen lassen. Abiriga hatte zu den Befürwortern gezählt.

Auch die Gegner des Präsidenten machen Wahlkampf in Arua. Die Stimmung ist aufgeheizt. Steine fliegen auf das Auto des Staatschefs, die Lage eskaliert, Sicherheitskräfte schießen. Die Kugeln treffen das Auto von Robert Kyagulanyi Ssentamu, einem der schärfsten Gegner des Präsidenten. In den sozialen Medien postet Ssentamu das Foto seines blutüberströmten, leblosen Fahrers. Er schreibt: „Sie dachten, sie hätten mich getroffen.“ Minuten nach der Schießerei wird Ssentamu verhaftet und in ein Militärgefängnis gebracht. Die Polizei behauptet, in seinem Hotelzimmer Gewehre und Munition gefunden zu haben.

Externer Link: Wenn Sie auf das Bild klicken, öffnet sich in einem neuen Tab ein youtube-Link mit dem Song

Ssentamu kennt in Uganda jeder. Unter dem Künstlernamen Bobi Wine ist er der größte Popstar des Landes, er gilt als Stimme der Jugend. Bobi Wine singt an gegen Armut und Ungerechtigkeit, und er setzt sich dafür ein, dass Wahlen friedlich und fair verlaufen. Die jungen Leute fordert er auf, Personalausweise zu beantragen, damit sie wählen gehen können. Sein Song „Dembe“ ist ein urdemokratischer Ruf nach funktionierenden Strukturen: „Wir sollten Fundamente bauen, die Uganda nutzen und unseren Kindern ein Vorbild geben, damit sie wissen, dass man kein Blut mehr vergießen muss, um an die Macht zu kommen.“

Und Wine geht selbst in die Politik. 2016 erringt er einen Sitz im Parlament. Auf den Straßen der Hauptstadt Kampala hat er längst einen Spitznamen, der noch mehr verspricht: Ghetto-Präsident.

Seine Festnahme in Arua löst unter Popmusikern weltweit eine Welle der Solidarität aus: Peter Gabriel und Chrissie Hynde, U2 und Coldplay – sie alle protestieren, gemeinsam mit afrikanischen Musikerkollegen wie Angelique Kidjo und Femi Kuti. Der Druck im In- und Ausland ist groß, das Militär lässt Wine frei. Doch er wird gleich wieder verhaftet, diesmal lautet der Vorwurf Landesverrat. Als Bobi Wine erneut freigelassen wird, fliegt er in die USA, um sich in einer Klinik behandeln zu lassen. Sein Körper ist von Haft und Folter schwer mitgenommen.

Bobi Wine lässt sich nicht einschüchtern. Bei den Wahlen 2021 will er wieder kandidieren – diesmal als Präsidentschaftskandidat. „Es ist immer gefährlich, gegen einen Diktator anzutreten,“ sagt er in einem Interview mit der BBC. „Aber es ist gefährlicher, herumzusitzen und sich seinem Schicksal zu fügen.“

Der Sänger weiß, dass auch Präsident Musenevi einst als Hoffnungsträger angetreten war. „Immer, wenn ich Präsident Museveni in den Fernsehnachrichten sehe, frage ich mich, wie ein derart gepriesener Revolutionär willentlich zu einem der am meisten verachteten Diktatoren der Welt werden konnte“, sagt Bobi Wine. „Das ist eine Lektion, die uns daran erinnert, dass uns nur die Idee starker Institutionen vor uns selbst schützen kann.“

Martin Kaluza, Februar 2020

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