Die Augen der Welt richten sich auf Südafrika

Peter Gabriel: „Biko“ (1980)

„September 77
Port Elizabeth, weather fine
It was business as usual
In police room 619
Oh Biko, Biko, because Biko
Oh Biko, Biko, because Biko
Yihla moja, yihla moja
The man is dead, the man is dead“

Peter Gabriel: „Biko“
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Am 18. August 1977 verhaftet die südafrikanische Sicherheitspolizei in King William’s Town den Menschenrechtler Bantu Stephen Biko. Seit Ende der 1960er Jahre kämpft er gegen die Apartheid. Als Medizinstudent hat er die Südafrikanische Studentenorganisation SASO gegründet, der ausschließlich Schwarze beitreten können, und zählt zu den bekanntesten Köpfen des Black Consciousness Movement.

Sein Anliegen: das Selbstbewusstsein der schwarzen Bevölkerung stärken. Der Boston Globe zitiert ihn: „Zunächst einmal müssen die Weißen aufgezeigt bekommen, dass sie nur menschlich sind, nicht aber überlegen. Das Gleiche gilt für die Schwarzen: Sie müssen aufgezeigt bekommen, dass auch sie nur menschlich sind, und nicht unterlegen.“

Biko ist 30 Jahre alt, Vater von fünf Kindern, als die Polizei ihn verhaftet und im Verhörraum 691 in Port Elisabeth foltert. Bewusstlos und nackt wird er ins 1000 Kilometer entfernte Pretoria gefahren, wo er am 12. September 1977 seinen Verletzungen erliegt.

Als der britische Musiker Peter Gabriel von Bikos Ermordung erfährt, ist er entsetzt. „International hatte seine Verhaftung für viel Aufmerksamkeit gesorgt“, sagt er in einem Interview. „Ich hatte angenommen, das würde ihn schützen.“ Gabriel beschließt, einen Song über den Mord an Biko und die Situation in Südafrika zu schreiben. Einen Song, der wie kein anderer klingt und dem man den afrikanischen Einfluss anhört. Gabriel programmiert auf einem der ersten Drumcomputer einen langsamen, stoischen Beat. Darüber legt er eine getragene E-Gitarre und eine vom Synthesizer erzeugte Dudelsackmelodie. Die hypnotische Begleitung soll die Aufmerksamkeit ganz auf den Text lenken.

Gabriel besingt die scheinbare Alltäglichkeit der Zelle, in der Biko gequält wurde – Wetter gut, Business as usual. Die deutsche Fassung des Songs, ebenfalls von Gabriel gesungen, ist noch eindrücklicher: „September 77, Port Elisabeth, Sonnenschein. In sechs-eins-neun endlich Ruhe, nur ein Stuhl ging aus dem Leim“. Der Refrain „Biko, Biko, because Biko“ ist aufs Mitsingen angelegt. Die Zeilen „Yihla moja“ bedeuten in Xhosa, der zweithäufigsten Sprache Südafrikas (und damals noch keine offizielle Amtssprache): „Komm, Geist!“ – eine Anrufung Bikos, ein Aufruf, sich seiner Sache anzuschließen.

Gabriels Song ist eingerahmt von Gesängen, die heimlich bei Bikos Beerdigung aufgenommen wurden: der Anti-Apartheids-Protestsong „Ngomhla Sibuyayo“ und „Senzeni na?“, in dem es heißt: „Was haben wir getan? Ist es unsere Sünde, schwarz zu sein?“

„Biko“ erscheint 1980, in Südafrika wird der Song direkt verboten. In den USA will die Plattenfirma Atco, mit der Gabriel eigentlich arbeitet, das ganze Album nicht veröffentlichen. Neben „Biko“ geht es darauf auch um Mentale Gesundheit – zu schwere Kost. Das Label Mercury springt ein.

„Biko“ wird schon bald Gabriels bekanntester Song. Andere Musiker folgen Gabriel in seinem Engagement. Special AKA schreibt mit „Free Nelson Mandela“ ebenfalls einen Anti-Apartheid-Song, das Projekt „Artists United Against Apartheid“ vereinigt internationale Musiker quer durch alle Genres von Miles Davis und Herbie Hancock über Pat Benatar und Bruce Springsteen bis Rubén Blades und Africa Bambaataa.

Es tritt ein, was Peter Gabriel in „Biko“ heraufbeschwört – und er hat seinen Anteil daran: „And the eyes of the world are watching now!“

Martin Kaluza, 2026

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